Geschichtlicher Hintergrund

Ausgangspunkt des SUN-Projekts bildete in 2007 die Beobachtung, dass in den Peripherien unserer Städte vermehrt nachhaltige oder ökologische Siedlungen entwickelt werden, während in den Innenstadtlagen häufig Stadtviertel anzutreffen sind, die mit einem deutlichen Abwärtstrend zu kämpfen haben. Diesen Vierteln ist meist gemeinsam, dass sie einen industriegeschichtlichen Hintergrund haben, sich aber von dem Niedergang der Industrien trotz öffentlicher Fördermittel, nicht erholen und keine neue wirtschaftliche Dynamik entwickeln konnten.

Auch wenn die Entwicklung der sogenannten nachhaltigen Wohnviertel am Stadtrand grundsätzlich begrüßenswert ist, sollte hinterfragt werden, ob diese Wohnviertel immer zurecht die Bezeichnung ‘nachhaltig’ verdienen. Das Kriterium ob nun neue Technologien und Techniken Verwendung finden und sie hinsichtlich der Energieeffizienz besser abschneiden als die älteren Stadtquartiere kann nicht alleine ausschlaggebend sein. Dieser Trend lässt bezogen auf die Entwicklung der Gesamtstadt die Frage offen, warum wir die Inanspruchnahme neuer Bauflächen im Grünen erlauben, wenn gleichzeitig gut angebundene und erschlossene Siedlungsbereiche im Bestand untergenutzt bleiben. Warum wird die Entwicklung an der Peripherie bevorzugt, die durch den öffentlichen Personennahverkehr schlecht erschlossen ist, der Einrichtungen der sozialen Infrastruktur vielfach fehlen, während gut erschlossene innerstädtische Gebiete vernachlässigt werden? Nichtzuletzt wirft die Bevorzugung der Peripherie Fragen zur Umweltgerechtigkeit auf, denn von den neuen, sogenannten  nachhaltigen Stadtvierteln profitieren lediglich die bessergestellten Gesellschaftsschichten. Die ärmeren Bevölkerungsschichten konzentrieren sich dagegen in den genannten benachteiligten Stadtvierteln, mit der möglichen Folge, den Abwärtstrend noch zu verschleunigen, beispielsweise aufgrund der Schwierigkeiten die bei der Finanzierung des Unterhalts der Wohngebäude entstehen da die Einnahmen der Eigentümer sinken.

Wie schaffen wir es also, diesen benachteiligten Stadtvierteln wieder ihre  Attraktivität zurück zu geben, damit sie sich selbst regenerieren können und dies in einer Zeit, in der der Begriff ‘Nachhaltigkeit’ leider zu oft auf den Aspekt der Energieeffizienz reduziert wird und lediglich dem Wohnungsmarkt als Vermarktungsargument dient?

Warum nicht, in dem wir auf die vorhandenen Potentiale dieser Stadtviertel bauen und in dem wir beweisen, dass eine Integration dieser Viertel in eine   nachhaltige Stadtentwicklung möglich ist, indem diese Potentiale ausgebaut werden.