Kolloquium : die wirtschaftliche entwicklung der stadtviertel

Lüttich, Palais des congrès, dienstag 9. Februar 2010

Das erste Kolloquium im Rahmen des SUN-Projekts fand am Dienstag, dem 9. Februar 2010 im Palais de Congrès in Lüttich statt. Es versammelten sich etwa 200 Teilnehmer aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (Stadtplanung, Wirtschaftsentwicklung, Unternehmertum, Kunst, Kultur usw.), aus unterschiedlichen Organisationen und Institutionen (Universitäten, öffentliche Verwaltungen, Vereinigungen, Bürgervertretungen, Nicht-Regierungsorganisationen usw.) und aus den verschiedenen Regionen der Euregio Maas-Rhein (Wallonien, Flandern, die Niederlande, Deutschland) und Brüssel.

Die Veranstaltung kann aus zwei Gründen als Erfolg gewertet werden: einerseits ermöglichte sie es den anwesenden Akteuren, sich über einen gemeinsamen Themenbereich auszutauschen und dabei neue Beziehungen und Kontakte zu knüpfen, was hinsichtlich der Querschnittsaufgabe der Quartiersentwicklung äußerst wichtig ist. Andererseits konnten methodologische Fragen zur Wirtschaftsentwicklung in Stadtvierteln erörtert werden, insbesondere betreffend der Koordinierung der Akteure auf Stadtviertelebene als auch auf Ebene der Gesamtstadt. Tatsächlich ist in den meisten Städten offen, wer sich dieser Aufgabe annimmt. Auf den ersten Blick scheint es, dass jeder seinen eigenen unternehmerischen Tätigkeiten nachgeht ohne den Schulterschluss mit den anderen zu suchen und ohne dass es Raum für Austausch und Koordination auf einer der räumlichen Ebenen gibt. Dabei ist diese Koordination wichtig, um Wirksamkeit und Kohärenz von Maßnahmen (öffentlich, halböffentlich, privat, durch Vereine) zur lokalen Wirtschaftsentwicklung sicherzustellen.

In diesem 1. Kolloquium wurde die wirtschaftliche Seite der Quartiersentwicklung in den Vordergrund gestellt. In den 2 kommenden Jahren werden im Rahmen des SUN-Projekts weitere Kolloquien in den teilnehmenden Städten durchgeführt, um auch die anderen Handlungsfelder, die für die am SUN-Projekt beteiligten Stadtviertel identifiziert wurden, zu behandeln: die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, die Steigerung der Energieeffizienz von Privatwohnungen und Durchführung von Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum.

Ziel des SUN-Projekts ist, die nachhaltige Entwicklung von 5 Stadtvierteln der Euregio Maas-Rhein in Gang zu setzen. Diese Viertel mit Industrievergangenheit stehen vor bedeutenden Herausforderungen, haben aber auch zahlreiche Trümpfe in der Hand, wenn man die nachhaltige Entwicklung nicht nur unter dem Energiegesichtspunkt, sondern auch in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Dimension betrachtet. Um diese 5 Pilotviertel mit ihren 50.00 Einwohnern kreisen 5 Städte, 4 akademische Partner und zahlreiche Akteure aus dem Vereinsleben und der Wirtschaftswelt! SUN wurde bewußt als Fachübergreifendes, multidimensionales Forschungs- und Handlungsvorhaben an der Schnittstelle zwischen Städten, Bildungswelt, Bürgern und Privatgesellschaft aufgebaut. Was all diese Akteure vereint? Das Gefühl, dass in den Stadtvierteln ein ungeahntes Potenzial zur Entwicklung unserer Städte schlummert. Horchen wir also hin und begleiten wir sie bei diesem Abenteuer.

Um die beiträge der redner zu lesen, folgen sie diesem Link

Thema der ersten veranstaltung

Das erste Kolloquium im Rahmen des INTERREG IVa-Projekts SUN nimmt die wirtschaftliche Dimension der Quartiersentwicklung in den Fokus. Weitere Kolloquien sollen in den beiden Folgejahren die anderen Handlungsfelder des Projekts behandeln.

Positive Beiträge der Stadtviertel zur lokalen Wirtschaft und vor allem positive wirtschaftliche Auswirkungen direkt vor Ort: Diese Ziele werden gewöhnlich angestrebt, wenn von Entwicklung der Stadtviertel die Rede ist.

Aus dieser Sicht umfasst die Entwicklung der Stadtviertel eine Vielfalt von Tätigkeiten und sich ergänzender dynamischer Initiativen…

Unternehmensgründungen, Standortbestimmung der Unternehmen im Stadtgefüge, Betreuung potenziellerInvestoren, Kommunikationspolitik zu den Themen Stadt und Stadtviertel, Förderung der Geschäftswelt in den Stadtvierteln, Gestaltung des Stadtbildes, Schaffung von Räumen für städtische Aktivitäten oder Unternehmensstandorte usw.

 … und betrifft aber auch sehr unterschiedliche Wirtschaftsbereiche:

den Lebensmittelhandel, die Modegeschäfte, das Hotel- und Gaststättengewerbe, Kunst und Kultur, Dienstleistungen, Vereinigungen, sozialwirtschaft-liche Betriebe, den Umweltschutz, den ökologischen Umbau usw.

 Alle am Wirtschaftsleben und an der Stadtge-staltung beteiligten Akteure könnten somit zur Entwicklung der Stadtviertel und de facto zur Wirtschaftskraft der Stadt beitragen. Aber wie? Und wie können ihre Aktionen koordiniert werden, damit sie vor Ort effizient zum Aufschwung beitragen? All diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieses Kolloquiums.

Sollte diese Koordination nicht idealerweise auf der Ebene der Stadt oder des Stadtviertels erfolgen? Gegenwärtig kann, als Antwort auf die Veränderungen im Zuge der Globalisierung, vielerorts eine zunehmende Regionalisierung der Wirtschaft und ihrer Steuerungsinstrumente beobachtet werden. Die Städte, Gemeinden und regionalen Gebietskörperschaften nehmen das Heft in die Hand und gehen vermehrt Wege der Regional- bzw. Ortsentwicklungpolitik. Auf regionaler und stadt-regionaler, aber auch auf der Quartiersebene entstehen neue, auf die Wirtschaftsentwicklung ausgerichtete Lenkungsstrukturen, die in der Regel angepasster auf die Besonderheiten des Ortes reagieren können. Für diese Städte und Viertel werden spezifische Entwicklungsstrategien erarbeitet, die sich im Allgemeinen aus Methoden des Stadt- oder Regionalmarketings, aus stadtbaulichen Ansätzen (unter Berücksichtigung der Qualität des städtischen Umfelds als ein wesentlicher Faktor der Stadtentwicklung), aus unterschiedlichen Fördermaßnahmen oder verschiedenen Bildungsprogrammen zusammensetzen. Um die Umsetzung dieser komplexen lokalen Entwicklungsstrategien zu gewährleisten, entstehen neue Formen der Koordinierung des öffentlichen Handelns, insbesondere auf Quartiersebene.

Eine Entwicklungspolitik, die auf den Belangen der Stadtviertel fußt (und eine stadtviertelspezifische Entwicklungsstrategie sowie entsprechende Steuerungsinstrumente impliziert), wäre eine erhebliche Ergänzung der bisher auf höherer, territorialer Ebene geführten Entwicklungspolitiken und könnte deren Wirksamkeit verstärken.

Das SUN-Projekt hat sich zur Aufgabe gestellt, diese Arbeitshypothese auf akademischer Ebene zu untersuchen und vor Ort, in den Vierteln der fünf Partnerstädte zu testen.

Nach einer Phase des Bewusstwerdens über die unterschiedlichen Kenntnisstände hinsichtlich der Stadtviertelentwicklung, beabsichtigen die Partner des SUN-Projekts nun ihre ersten Überlegungen mit einem größeren Kreis von Akteuren zu teilen, die alle im engeren oder weiteren Sinne mit der Thematik der Quartiersentwicklung in Verbindung stehen. Ziel dieses Herantretens an eine breitere Öffentlichkeit ist es, mit den Akteuren zusammen über die bisher im Rahmen des SUN-Projekts in Betracht gezogene Arbeitsweise zu diskutieren und dabei Fragen zur Methodik, die die SUN-Projekt-Partner alleine nicht beantworten können, zu erörtern.

konkrete zielsetzungen dieses ersten kolloquiums sind:

  • Einer breiten Öffentlichkeit das Interreg IVa-Projekt SUN vorzustellen, dieses Mal mit dem besonderen Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Die Identifizierung einer Zielgruppe für den „wirtschaftlichen“ Aspekt des SUN-Projekts und die Initiierung eines Ideenaustauschs bezüglich einer Verankerung von Wirtschaftsentwicklungsstrategien auf Quartiersebene.
  • Informieren der Öffentlichkeit über die Weiterentwicklung von Steuerungsformen zur Wirtschaftsentwicklung und -regulierung.
  • Gegenüberstellen dieser Weiterentwicklung und der Alltags-Erfahrung der Teilnehmer (und Abfragen ihrer Überlegungen und Erfahrungen in diesem Bereich).
  •  Das In-Kontakt-bringen der Teilnehmer, die zum Teil aus verschiedenen Bereichen (Städtebau, Stadtentwicklung, Wirtschaft, usw.) und teilweise aus verschiedenen Regionen stammen und sich doch alle mit der Erprobung neuartiger Lenkungsformen insbesondere in der wirtschaftlichen Entwicklung befassen.