KAUFGEMEINSCHAFTEN

GEMEINSCHAFTSEINKÄUFE ZUR FÖRDERUNG DER RENOVIERUNG VON PRIVATUNTERKÜNFTEN AUS ENERGIESPARGRÜNDEN IN STADTVIERTELN

Die steigenden Energiekosten belasten manche Privathaushalte besonders stark, insbesondere betrifft dies Familien in älteren Stadtvierteln. Viele von ihnen haben Mühe, ihre Energierechnungen zu bezahlen. Die Emissionen die aus der Energiegewinnung entstehen,  haben zudem Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit in den Vierteln aber auch weltweit. Daher befasst das SUN-Projekt sich in einem seiner vier Handlungsfelder mit dem Thema energetische Sanierungsmaßnahmen. Die Ziele der SUN-Aktion „Energie“ lauten:

  • Verbesserung der Energiebilanz in mindestens 200 Wohnungen, verteilt auf alle teilnehmenden Stadtviertel;
  • Schärfung des Bewusstseins für Erderwärmung und Energieverbrauch von Wohngebäuden in der gesamten Euregio,?
  • Aufbau eines funktionierenden euregionalen Netzwerks aus Energiefachbetrieben,?
  • Ermunterung zu weiteren euregioweiten Initiativen zur Renovierung von Häusern in bestehenden Vierteln.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, wurde innerhalb der SUN-Aktion „Energie“ eine Strategie entwickelt, die auf zwei Schwerpunkten aufbaut: die Einrichtung eines Energieeinsparwettbewerbs und die Bildung von Käufergruppen. Als zusätzlicher Service wird eine Euregionales Netzwerk von Energiefachbetrieben eingerichtet, die ihre Dienstleistungen Interessenten anbieten, die eine energetische Sanierung planen.

Über die Käufergruppen können die Haushalte gemeinsam Baustoffe und/oder Sanierungsarbeiten zur Verringerung des Energieverbrauchs in ihren Häusern einkaufen. Die Idee dieser Käufergruppen stammt aus einem Versuchsprojekt, das STEBO lange vor dem SUN-Projekt in Genk durchgeführt hat. Mit Unterstützung von Privatsponsoren wurde Dämmmaterial an die Haushalte eines Stadtviertels verteilt. Die Teilnehmer konnten entweder ihr Dach selbst dämmen oder ein Unternehmen damit beauftragen. Diese Initiative wurde den SUN-Partnern bei einem von DUBO, dem Koordinator der Energiesparaktion, organisierten Workshop vorgestellt – und das inspirierte auch andere SUN-Partner…

Damit die Methode im St.-Léonard-Viertel (Lüttich) angewandt werden konnte musste sie überarbeitet und angepasst werden: Dort wollten die Bewohner möglichst auf umweltfreundliche Wärmedämmstoffe zurückgreifen und lieber ohne Privatsponsoren arbeiten. Die Projekt- und Informationsbroschüren wurden in enger Zusammenarbeit von Eco’Hom, der Universität Lüttich und der Stadt Lüttich erstellt. Das Stadtviertel wurde ausführlich informiert; ferner fanden Informationssitzungen bei der Stadt Lüttich statt. Insgesamt nahmen 28 Familien an den Käufergruppen für Energieaudits teil. Etwa 60 Haushalte beteiligten sich an einer der Käufergruppen für Wärmedämmarbeiten, wie Dachdämmung und -begrünung, (Keller-)Deckendämmung, Wanddämmung und energieeffiziente Fensterrahmen.

Parallel zur Informationskampagne in der Öffentlichkeit wurde ein breiter Angebotsaufruf organisiert, um Energiefachleute für die Aktion zu gewinnen. Durch diesen Aufruf sollte die Initiative möglichst weit geöffnet werden und allen Unternehmen die gleiche Chance gegeben werden, sich zu bewerben. Strenge, transparente Kriterien wurden festgelegt. Diese stützten sich auf den Angebotspreis, die angewandte Technik, die Leistungsfähigkeit der Materialien, die Bemühungen des Unternehmens in Sachen sozialer Integration und die Bereitschaft des Unternehmers, die öffentlichen Zuschüsse zu den Wärmedämmarbeiten vorzufinanzieren (sodass die Haushalte sie nicht vorzustrecken brauchten). Am Ende dieses Verfahrens wurden sieben Unternehmer ausgesucht. Die 70 Teilnehmer an den Käufergruppen in St. Léonard gehörten zwar nicht zu den ärmsten Einwohnern des Viertels, der Erfolg der Initiative zeigt aber, dass kollektive Ansätze in der Lage sind, die energetische Sanierung von privaten Altbauten in den Stadtvierteln durchaus anzukurbeln.?

Diese Erfahrung inspirierte die Stadt Eupen zu einer ähnlichen Aktion, jedoch begrenzt auf Energieaudits. Das für Lüttich entwickelte Projekt und das Informationsmaterial wurden angepasst und auf das Eupener Umfeld zugeschnitten. Wenngleich sich nicht alle Familien an den Käufergruppen beteiligten, konnte mit Hilfe des erarbeiteten Materials das Bewusstsein für die Herausforderungen der Zukunft im Energiesektor in der Bevölkerung geweckt werden. Alle lokalen Energiegutachter stellten sich auf einer Veranstaltung den Teilnehmern vor. Rund 17 Familien entschieden sich für ein Energieaudit.

In Genk wurde bereits im Jahr 2009, aufbauend auf den vorgenannten Erfahrungen, eine erste Käufergruppe organisiert – diesmal mit einer intensiveren Begleitung der Einwohner. Die lokale Partnerorganisation, die Christliche Arbeiterbewegung, traf eine Vorauswahl unter den Anbietern, Bauunternehmen und den Materialien. Mehr als 50 Dächer konnten gedämmt werden.??Im letzten Projektjahr sollen, aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen, weitere Käufergruppen in Heerlen und in Verviers eingerichtet werden. ?In allen teilnehmenden Stadtvierteln soll den Bewohnern bei der Senkung ihrer Energierechnungen geholfen werden. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Bevölkerungsgruppen gerichtet, die schwerer zu erreichen sind, zum Beispiel Mieter in Privatwohnungen. Maßgeschneiderte Lösungen werden denjenigen angeboten, die aus Zeitgründen oder aus körperlichen, finanziellen oder sozialen Gründen auf besondere Angebote angewiesen sind. Schließlich besteht ein gesamtgesellschaftliches Interesse, dass allen Familien die Hilfe zukommt, die am Besten zu ihnen passt, damit sie in ihrem Zuhause ein vernünftiges Maß an Komfort und Gesundheit zu einem vertretbaren Preis erreichen können.

In Verviers wurden ähnliche Kaufgemeinschaften für Energieaudits und Dachisolierungen gebildet. Das System der Kaufgemeinschaften konnte durch die Nutzung früherer Erfahrungen weiter verbessert werden. Ferner kam eine Zusammenarbeit mit wichtigen Energiepartnern vor Ort zustande, nämlich mit der Energieberatungsstelle Verviers und der „Maison sociale de l’énergie des ÖSHZ Verviers. Ingenieurfachbüros halfen beim Aufbau der Kaufgemeinschaft ebenfalls mit. Es galt nämlich, eine Methodik zu entwerfen, die nach Ablauf des SUN-Projektes von anderen Akteuren übernommen werden konnte.