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In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass soziale Unterschiede in Europa zu Konflikten in bestimmten Stadtteilen europäischer Metropolen führen. Die vielen Lebensstile in modernen Gesellschaften ebenso wie soziale Unterschiede zwischen arm und reich und Unterschiede zwischen zahlreichen Kulturgruppen führen zu einer Pluralisierung der Lebensformen, die zugleich die Gefahr einer Entsolidarisierung in der direkten Lebensumgebung mit sich bringen. Förderung der sozialen Kohäsion oder mit anderen Worten: des sozialen Zusammenhalts ist damit ein wichtiges Thema auf der politischen Agenda der Stadtpolitik.

Das SUN-Projekt hat die große Bedeutung des sozialen Zusammenhalts für eine nachhaltige Stadtentwicklung erkannt und will über Beteiligungsprozesse von Bürgern neue Perspektiven für das Zusammenleben exemplarisch entwickeln. Es gibt verschiedene Wege, um den sozialen Zusammenhalt in Stadtvierteln zu fördern. Ausschlaggebend sind dabei in erster Linie das soziale Gefüge in einem Quartier und die spezifischen sozialen Problemlagen.

Eupen-Unterstadt

In Eupen-Unterstadt wurde mit dem SUN – Projekt im Jahr 2010 zum ersten Mal ein Stadtteilentwicklungsprogramm durchgeführt. In Eupen-Unterstadt wohnen viele verschiedene Bewohnergruppen, lokal sehr begrenzt ist der Anteil ausländischer Bewohner im Vergleich zur Gesamtstadt etwas höher. Das Image war viel schlechter als die tatsächliche Lebensqualität im Stadtteil. Dies führte zu einer sehr pessimistischen Grundhaltung bei vielen Menschen.

Sofort zu Beginn des Projekts nannten die Bewohner den Wunsch nach mehr Begegnung im Stadtteil. Die Umgestaltung einer vergessenen Grünfläche zu einem Bürgerpark mit der Einrichtung eines Kiosk schien dafür ein idealer Ansatz zu sein. Der Arbeitskreis Begrünung entwickelte unter professioneller Anleitung attraktive Ideen für jung und alt. Aus dieser Gruppe kam auch die Initiative für ein umfangreiches Sponsoringkonzept, an das sich viele Handwerker und Unternehmer beteiligten.

Ein weiterer Arbeitskreis „Kiosk“ entwickelte ein ganzheitliches quartiersorientiertes Nutzungskonzept: Bewirtschaftung und Betreuung des Kiosks, Entwicklung von neuen Angeboten im Freizeitbereich und soziale Viertelarbeit. Daraus entstand das Konzept einer neuen Arbeitsstelle für Arbeitslose, die vom Eupener Sozialamt aufgrund der sozialen Ausrichtung als Vollzeitmaßnahme gefördert wird. Weitere Dynamik hat das Projekt dadurch gewonnen, dass sich Mitglieder des Arbeitskreises als Kerngruppe für einen zukünftigen „Bürgerverein“ etablieren möchten. Dabei ist der Name „Bürgerverein“ zunächst ein Arbeitstitel, da man nicht in erster Linie eine rechtliche Organisationsform sucht, sondern ein Forum für aktive Zusammenarbeit im Viertel etablieren möchte.

Hiermit ist - durch das SUN-Projekt angeregt - eine innovative Möglichkeit entstanden, auch nach Ablauf des Projektes bürgerbezogene Stadtteilarbeit fortzuführen und dynamische weiter zu entwickeln. Während im Stadtteil unter dem Arbeitstitel „Bürgerverein“ diskutiert und vor allem gearbeitet wird, sind auch Politik und Verwaltung der Stadt Eupen in die Diskussion einbezogen, welche Rahmenbedingungen und begleitenden Maßnahmen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts benötigt werden.

Verviers-Hodimont

Im Stadtteil Verviers-Hodimont ging vom SUN-Projekt ebenso ein besonderer Impuls für die Stadtteilarbeit aus. In Hodimont leben mehr als 100 verschiedene Nationalitäten und mit 35 Prozent ist der Anteil an ausländischen Mitbürgern hoch (zum Vergleich: 12 Prozent in der Stadt Verviers). Die Bestandsaufnahme zu der sozialen Lage im Viertel zeigte, dass es grundsätzlich ein Sprachproblem mit der französischen Sprache gibt und die unterschiedlichen Kulturgruppen kaum in Kontakt zueinander treten. Es zeigt sich weiterhin, dass die Bewohner nicht lange in Hodimont bleiben sondern nach etwa 3 Jahren in andere Stadtteile von Verviers umziehen.

Die im Stadtviertel ansässige VoG „La belle Diversité“ wurde damit beauftragt, die Vereinswelt vor Ort zu einer Plattform zusammenzuschließen und mit ihr einen Aktionsplan auszuarbeiten, der die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt. Die Schwierigkeit bestand darin, die einzelnen, aus unterschiedlichen Kulturen stammenden Akteure vor Ort zusammenzubringen und sie davon zu überzeugen, dass Einigkeit Stärke bedeutet. Dafür war nicht so sehr ein großer Etat erforderlich, sondern Zeit und Beharrlichkeit. Aus den Gesprächen mit den Anwohnern ging hervor, dass diese besser darüber informiert sein wollten, wie die belgischen Einrichtungen funktionieren. Ausgehend von diesen Befragungen haben die Anwohner ein „Nachbarsfest“ für die Anwohner organisiert und eine Zeitung für ihr Stadtviertel veröffentlicht. Ein Besuch im Föderalen Parlament und im Wallonischen Parlament ist vorgesehen, genauso wie bessere Dienstleistungen für die Kinder.

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St-Léonard (Lüttich)

In St-Léonard (Lüttich) wurde in der ehemaligen Haecht-Brauerei eine Kindertagesstätte eröffnet. Junge Eltern sollten aus ihrer Isolierung herausgeholt werden, indem ihnen die Möglichkeit geboten wurde, ihre Kinder ein paar Stunden pro Woche verwahren zu lassen. Im selben Gebäude wurde auch eine Begegnungsstätte für Jung und Alt eingerichtet; dort werden den - oft sehr isolierten - alten Leuten Aktivitäten und Begegnungsmöglichkeiten angeboten. Schließlich wurde unter dem Titel „1000 Gesichter“ ein multikulturelles Festival organisiert, bei dem sich unterschiedliche Kulturgruppen trafen.

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100 Visages photos Halte Accueil photos Maison Intergenerationnelle photos

GENK

In Genk wurde unter dem Titel „Instapje“ ein umfassendes Elternbegleitprogramm für sozialschwache Familien angeboten. Sogenannte „Instap mama“ helfen den Eltern von Kleinkindern bei der Kindererziehung. Bei dem Programm für die Begleiterinnen, die von der Stadt bezahlt werden, handelt es sich ebenfalls um ein Programm zur beruflichen Wiedereingliederung.

Heerlen

In Heerlen wurde einer Gruppe eingewanderter Frauen ein Programm zur Erlernung des Niederländischen unter Anleitung sogenannter „taalcoaches“ angeboten. Im Rahmen dieser Kurse wurden auch Aktivitäten zum besseren Kennenlernen seiner Nachbarn oder Treffen zum gemütlichen Beisammensein mit den Anwohnern des Viertels organisiert, zum Beispiel der Gemeinschaftsgemüsegarten, der Teil der Begrünungsaktion war.