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SUN-Projektpartner besuchen Paris, eine Wegbereiterin der Stadtbegrünung

Weltweit setzen mehr und mehr Städte auf Natur und Grünflächen, weil diese nicht nur die Umweltqualität verbessern, sondern auch die immobilienpolitische und wirtschaftliche Anziehungskraft der Stadt erhöhen. Paris ist ein gutes Beispiel dafür, wie Stadtbegrünungspolitik auf verschiedenen Ebenen erfolgreich praktiziert werden kann: Die Stadt besitzt große Grünflächen und umweltschonende Verkehrsnetze, verwandelt Brachen in Grünflächen, begrünt öffentliche Plätze und Einrichtungen, fördert die Dachbegrünung usw. Aus diesem Grund haben die Partner der Begrünungsaktion des SUN-Projekts am 5. und 6. Juli d.J. an einer Studienfahrt nach Paris teilgenommen, um sich vor Ort ein Bild von der Tragweite dieser Politik zu machen.

Am ersten Tag konnten die SUN-Partner die „Jardins d’Eole“, einen vom Landschaftsarchitekten Michel Corajoud entworfenen öffentlichen Park, besichtigen. Bei der Gestaltung dieser 4 ha großen Eisenbahnbrache hat sich der Landschaftsarchitekt an der Nutzung orientiert, für die sich bereits die Bewohner dieses Stadtviertels entschieden hatten. Der Park soll umweltfreundlich genutzt werden, um Wasser, Luft und Boden nicht zu verschmutzen: Das Gras wird per Hand gemäht; aus den Blättern wird Kompost gemacht; Düngemittel und Pestizide sind verboten (von Anfang an wurden die Gärtner darauf eingestimmt); die Abfälle werden getrennt eingesammelt; die Flora soll die Fauna anziehen; winterfeste Pflanzen werden gepflanzt, usw. In einer Ecke des Parks wurde ein Gemeinschaftsgemüsegarten angelegt, in dem die Anwohner Früchte und Gemüse anbauen können.

Anschließend sind die SUN-Partner über die 1988 vom Architekten Philippe Mathieux und vom Landschaftsarchitekten Jacques Vergely angelegte „promenade plantée“ gegangen. Es handelt sich um eine ehemalige Bahnstrecke, die den 12. Bezirk teils überirdisch teils unterirdisch durchquert. Alle Eisenbahnbauten wurden beibehalten, aber die gesamte Strecke wurde als Fußgängerweg angelegt und begrünt: So entstand ein 4,5 km langer Freizeitparcours – zur großen Freude der Spaziergänger und Läufer. Dieses Projekt war Vorbild für die berühmte „High Line“ in New York!

Nachmittags sind die SUN-Partner von der „Direction des Espaces Verts et de l’Environnement“ (Abteilung „Grünflächen und Umwelt“) im Pariser Rathaus empfangen worden. Sie hatten Gelegenheit, sich mit den Verantwortlichen der Stadt zu unterhalten, die ihnen verschiedene Initiativen der Stadt erläutert haben:

  • die Gemeinschaftsgärten und ihre „Conventions main verte“,

  • die Politik der „vertikalen Begrünung“ (an den Fassaden), die umgesetzten Projekte und die in diesem Bereich gemachte Erfahrung,

  • die Gestaltung öffentlicher Grünflächen in Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort (Geschäftsleuten, Schulen),

  • die Begrünung von Baumansätzen und die zur Begleitung dieser Maßnahme von der Stadt verabschiedete Charta.


Am 2. Tag haben die Teilnehmer unter anderem den Park „Clichy – Batignolles“ oder „Martin Luther King“ besichtigt. Dieser über 15 ha große Park erstreckt sich auf einem ehemaligen Eisenbahngelände – ein Beweis mehr dafür, dass die Stadt Paris möglichst viele Grünflächen anlegen möchte. Dieser nach den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung entworfene Park (Wasserrückgewinnung, winterfeste Pflanzen, ökologische Nutzung, Grünstromerzeugung usw.) geht auf eine Initiative der Landschaftsarchitektin Jacqueline Osty aus dem Jahre 2002 zurück.

Nachmittags haben die SUN-Partner die internationale Ausstellung „Ville fertile“ im Palais de Chayot besucht. Die Ausstellung zeigt, wie unser Naturbedürfnis im Alltag der Städte verdeutlicht wird und wie viele unterschiedliche kreative Ansätze, unerwartete wissenschaftliche Fachbereiche und neue Stadtbilder dabei zum Einsatz kommen. Zahlreiche Verwirklichungen (in New York, Detroit, München, Beirut, Bordeaux usw.) wurden dort vorgestellt, zusammen mit Filminterviews und Themenworkshops über die Arbeit der Landschaftsarchitekten.